Die ersten Kilometer sind noch asphaltiert. Wir fahren durch Pinien und Kieferwälder und es geht bergauf und bergab. Auch die Brücke über den Fluss Masacre ist gut in Schuss. Es geht eine Anhöhe hinauf um eine Linkskurve und du meinst du bist in einer anderen Welt ...
Eine kleine Ansiedlung aus Holz- und Lehmhäusern stehen auf einem kahlen Hügel. Das Land dahinter genauso kahl. Wo sind die Pinien geblieben? An Grün findet man nur noch die Mangobäume, ansonsten ist trotz der frühen Stundealles kahl, trocken und staubig. Wir sind in Haiti.
Zweimal in der Woche gibt es hier einen haitianischen Markt. Die haitianischen Bauern verkaufen ihre Erzeugnisse an dominikanische Händler. Der Markt hat sich in den letzen Jahren ein wenig verändert. Auf der dominikanischen Seite der Straße gibt es mittlerweile zwei, drei gemauerte Häuser und die Haitianer haben auf ihrer Seite am Straßenrand mehre Holzbuden aufgebaut bevor man den Hügel zum eigentlichen Markt hinauf läuft.
Heute war kein Markttag, so dass wir eine leere Siedlung vorfanden. Wir fuhren weiter. Der Asphalt war verschwunden und die Sandpiste begann. Noch relativ breit und genügend Platz den haitianischen Kindern, welche die Hügel herunter gerannt kamen, rechtzeitig auszuweichen.
Auf der ganzen Strecke leben haitianische Bauern und versuchen aus dem kahlen Boden noch Erträge zu erwirtschaften. Die Carretera International verläuft kurvenreich zwischen den Bergen hindurch. Fahrzeuge werden von oben aus den Bergen schon von weitem gesehen. Du fährst nichts ahnend um eine Kurve und stehst in einem Haufen bettelnder Kinder. Die sind lieb und auch wir verteilten Kugelschreiber und Hefte. Wir hatten auch schon Gäste dabei, welche Säckeweise Kleidung verschenken. Hilfe ist in dieser Gegend dringend nötig und wird auch gerne angenommen.

Menschen und kleinere Siedlungen treffen wir die ersten zehn Kilometer nach Restauración und die letzen zehn vor Pedro Santana. Die 40 Kilometer dazwischen sind total dünn besiedelt. Ab und an mal eine Ansiedlung von zwei, drei Lehm- oder Holzhütten auf der haitianischen Seite. Die dominikanische Seite ist nicht besiedelt, oder zumindest so, dass man die Siedlungen nicht sieht. Die Carretera International ist auf Google Earth sehr gut zu erkennen. Sie schlängelt sich wie ein auf dem Reißbrett gezogener Strich durch die Landschaft.
Als Grenze bräuchte man diese Straße aber nicht. Die Unterschiede beider Länder sind auch so zu erkennen. Auf der dominikanischen Seite leuchten die Pinien- und Kieferwälder in einem saftigen grün und auf der haitianischen Seite stehen nur kahle, braune und mit kurzem Steppengras bewachsen Hügel.
Die Strecke war relativ gut zu befahren. Mit Fotostopps und Erholungspausen schafften wir es in vier Stunden von Restauracón bis Pedro Santana. Da es kurz nach zwei Uhr war, entschlossen wir uns noch bis Barahona weiter zu fahren, anstatt wie geplant in San Juan de la Maguana zu übernachten.



Abenteuer Rundreise Nov. 2009










